A. D. Trantenroth
A. D. Trantenroth
"12/67", 1967, Lindenholz, Lack, 25 x 25 x 25 cm
Universität Erlangen/Nürnberg, Sportzentrum, 1969, Carrara-Marmor, zwei Kuben je 1,20 x 1,20 x 1,20 m
ohne Titel, 1971, Beton, 3,60 x 2,40 x 1,20 m, Burlington/Vermont, Autobahn, Parkplatz
Frankenwald, Oberfranken, Trinkwasserspeicher Mauthaus, dreiteilige Skulpturengruppe, 1976, Granit, Stele H = 8 m, Tischstein und Bodenplatte 1,20 x 1,20 m
o. T. 1975/91, Bleibestiftung, Farbbestiftung, Bleibeschriftung unter Zuckerpulversahnetee, Bleibeschriftung, 21 x 29,7 cm
"Holzleistendoppelkreuz", 1976 rekonstruiert 2007, Buche, Gummibänder, hellblau, hellgrün, variable Größe, L = 208 bis 224 cm
"KL-Z2-76", 1976, Fichtenholz, Granit, Scharniere, variables Objekt, offen: 354 x 60 x 21,5 cm
Bochum, Ruhrlandhalle - Vfl Stadion, Bochumer Bildhauersymposium, mehrteilige Stahlbodenskulptur, 1980
"Baal in der Damentoilette", 1980, Stahlrundstäbe (D = 0,8 cm, L = 246 cm), Laborschlauch (D = 1,2 cm, L = 246 cm), Dinggröße variabel
o. T., 1982, Bleibestiftung, Farbbestiftung, Wachskreide, Pastellkreide, 21 x 29,7 cm
St. Wendel, Künstlersymposion Straße der Skulpturen, o. T., 1988, Tombakrinne und Tombakplatten, 950 x 30 cm und 23,75 x 23,75 cm
St. Wendel, Künstlersymposion Straße der Skulpturen, o. T., 1988, Tombakplatten, 42,5 x 57,5 cm
o. T. , 1988, Bleibestiftung, Farbbestiftung, Wachskreide, Bleibeschriftung, 21 x 29,7 cm
o. T., 1988, Bleibestiftung, Leuchtwachs, 21 x 29,7 cm
o. T., 1988, Bleibestiftung, Farbbestiftung, Leuchtwachs, Wachskreide, Bleibeschriftung, Prägeschriftung, 21 x 29,7 cm
o. T., 1989/90, Bleibestiftung, Farbbestiftung, Bleibeschriftung, 21 x 29,7 cm
o. T., 1990, Bleibestiftung, Farbbestiftung, Leuchtwachs, Bleibeschriftung, 21 x 29,7 cm
o. T. 1991, Schleifpapier, MDF-Platte, 21 x 27 x 2,1 cm
o. T. , 1992, Bleibestiftung, Farbbestiftung, Bleibeschriftung unter Zuckerpulversahnetee, 21 x 29,7 cm
o. T., 1993, Bleibestiftung, Farbbestiftung, Bleibeschriftung unter Zuckerpulversahnetee, 21 x 29,7 cm
Münchberger Stücke, 1995, Farbbestiftung, Messing-Klavierband, Holzstab, Aluhaken, Vorreiber, Blattgold, Messingknopf, Holzstuhl, Schreibheft, Bleistift, zerstört
o. T., 1996, Bleibestiftung, Farbbestiftung, Bleibeschriftung unter Zuckerpulversahnetee, 21 x 29,7 cm
o. T. 1997, Bleibestiftung, Farbbestiftung, Kupfernägel, 112 x 80 cm, zerstört
"Traktoranten", 2002, Traktor-Modell M 1:32, geometrisch-gelbe Gummitextilschnur, 5 PKW-Winterreifen
"Löcher-Nägel-Fadungen-Konservendose", ein Wandstück, 2007, 13 Nägel = Länge 11-32 cm, Objektlänge, 2 x ca. 160 cm, 2-farbige Fadungen
"Löcher-Nägel-Fadungen-Konservendose", zweite Ansicht
"Letzte Essenzzeit", 2007, vier Suppenteller, Papiertaschentücher, Blautusche, Blaupunktur, Silberlöffel, Sockel = H 72 cm x L = 206 cm (oberer Teil), 208 cm (unterer Teil) x B = 24 cm (oberer Teil), 28 cm (unterer Teil), Teller = H 4,5 cm, D = 23 cm
"Letzte Essenzzeit", 2007, vier Suppenteller, Papiertaschentücher, Blautusche, Blaupunktur, Silberlöffel, Sockel = H 72 cm x L = 206 cm (oberer Teil), 208 cm (unterer Teil) x B = 24 cm (oberer Teil), 28 cm (unterer Teil), Teller = H 4,5 cm, D = 23 cm, Detailansicht
Die Zeichnungen von A. D. Trantenroth – Zwischen Traum und Tat
Vor knapp zwei Jahren stellte mir der Künstler A. D. Trantenroth eine Auswahl seiner Zeichnungen vor. Bei den Vorbereitungen für meinen Beitrag zu diesem Katalog kam mir ein Text in den Sinn, den ich vor längerer Zeit in einem Katalog zu einer Ausstellung des Künstlers gelesen hatte. Vor allem der nachfolgende Abschnitt trifft auch auf seine Zeichnungen zu: "Bei den Arbeiten geht es weder um Aktion noch um Spuren eines Vorganges. Die Dinge sind nicht 'Momentaufnahmen' eines Prozesses, sondern räumlich artikulierte Zustände, in denen Ursache und Wirkung in eine Wechselbeziehung treten. Gefühle werden unmittelbar sichtbar und fühlbar gemacht: z.B. in der Gestrecktheit und Ausgedehntheit der langen, schlanken Stücke, der flachen Stahl- oder Holzplatten; in der Anschmiegsamkeit aneinandergelegter Schnittflächen; in der Kraftzusammenballung kompakter, kleiner Stücke, die gleichzeitig Widerstand nach außen und In-sich-Zurückgezogenheit darstellen; in der Gefährlichkeit spitziger Winkel und Enden, scharfer Kanten; in der Gespannt- und Entspanntheit von Gummischläuchen in Verbindung mit Eisenstäben (...)." (Sonja Klebe, Kunstverein Bochum, 1981)
Der Künstler zitiert in den Zeichnungen zumindest teilweise seine eigenen Entwürfe und Installationen. In oft spielerischen Konstruktionen tauchen über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder die gleichen Bildfragmente auf, mit den selben Gegenständen werden neue Konstruktionsmöglichkeiten durchgespielt. So gibt es Hunderte von Zeichnungen mit Gummischläuchen, mit Spazierstöckchen, die ineinander greifen, mit Nägeln, Fäden oder Scharnieren und Seilen. Auf wunderlichste Weise werden Holzlatten, Kästchen und phantastische Gebilde aneinander gebunden, neben- und aufeinander geknotet, genagelt und verwinkelt. Die Wahrnehmung wird in Frage gestellt, Sehgewohnheiten untergraben. Das Stabile verwandelt sich in Labilität. Holz wird transparent wie Glas, wie bei einem Röntgenbild können wir außen und innen gleichzeitig sehen. Darüber hinaus sind es nicht immer die fertigen Konstruktionen, die dargestellt werden, sondern manche Zeichnungen lassen sich wie eine "Bauanleitung" lesen, ähnlich solchen, die man in Verpackungskartons vorfindet, wenn man z.B. ein Bücherregal zusammenbauen will. Trantenroths Zeichnungen sind Aufzeichnungen, ein Zwischenbereich zwischen Wort und Bild, sie erzählen von möglichen Projekten. Schränkchen, Regale, Schublädchen und Fäden sind gut zu erkennen, aber der "Raum", der rundum gezeichnet wird, ist nicht dreidimensional. Es ist kein Horizont da, keine Schwerkraft zu erkennen, keine Tiefe im Bild vorhanden. Auch die Bildfragmente sind wie Wortfragmente. Die Zeichnungen von einer Serie bilden, zusammengelegt, mehr oder weniger zusammenhängende "Sätze". Auf diese Weise kann man die Gedankengänge des Künstlers eher nachvollziehen.
1989 fand im Museum St. Wendel eine Ausstellung anlässlich des vorläufigen Abschlusses der "Straße der Skulpturen" in St. Wendel/Saar statt. Gezeigt wurden Werke der teilnehmenden Künstler. A. D. Trantenroth legte 16 Vierkantholzstäbe à 8 x 8 cm, je 64 cm lang, auf dem Fußboden aus, so, dass sich ein großes Quadrat ergab. Die Kopfenden der Stäbe waren grün gefärbt, was allerdings nur an den "Ecken" des Quadrates sichtbar war. Etwa in der Mitte (von Trantenroth "anmittig" genannt) befand sich ein ebenfalls quadratisches Metallschächtelchen, oder besser gesagt: eine "Umhüllung" – ähnlich wie die Hülle eines Streichholzschächtelchen – die 4 cm hoch war, bei einer Länge und Breite von jeweils 16 cm. Diese Hülle war außen "gegelbt", innen war das nackte Metall sichtbar. Hier, wie auch sonst in der Arbeit des Künstlers, spielen komplizierte Material-, Farb- und Größenzusammenhänge – oder wie der Künstler es selbst ausdrückt: die bestimmten "Maßigkeiten" – eine große Rolle. Ist das Material eines Teilstückes z.B. leicht im Verhältnis zum Umfeld, dann sind seine Maße quasi "vergrößert". Dies gilt z.B. für die Holzstäbe, die, wären sie aus dem schwereren Eisen, nur so groß wären, dass sie in zwei Reihen in die Metallhülle hineinpassen würden. In dem Fall wären ihre Enden im "kompakteren" gelb gestrichen, sodass das Ergebnis ein rundherum gelb gefärbtes Kästchen wäre. Das gleiche gilt aber auch umgekehrt: wenn die Hülle aus Holz wäre, würden die Holzstäbe darin Platz finden können. In dem Fall wäre die Hülle grün – weil sie dann aus Holz und deshalb größer wäre, müsste auch die Farbe weniger kompakt sein – und das Endergebnis wäre ein rundherum grüner Kasten.
In der zweiten Arbeit, die A.D. Trantenroth im Museum zeigte, ging es um ähnliche Gewichtungen zwischen Material und Maß. An der Wand hing eine kleine Tombakplatte (Tombak = eine Kupfer-Zink Legierung) in einem Holzrahmen. In dieser Platte befanden sich zwei runde Löcher, die als "Negativvolumen" aufzufassen sind. Überträgt man die Maße dieser Platte auf die Museumswand, dann ist aus ihr eine Art "Luftplatte" geworden, sie ist nun selbst "negativ", aber dafür hat sie viel größere Ausmaße. Die beiden Löcher sind – im gleichen Verhältnis zueinander – dahingegen ins Positive "übersetzt", als runde Scheiben. Da die "Luftplatte" größer ist, sind auch diese Scheiben "gewachsen" und sind deshalb nicht mehr aus dem gelblich schimmernden Tombak, sondern aus Holz, wobei ihre Oberfläche nun in einem hellen, leuchtenden Grün erscheint.
Der Künstler baute diese beiden Arbeiten auf eine dermaßen präzise und ernste Art auf, dass es den Anschein hatte, als würde er mit der sorgfältigen Plazierung der einzelnen Teile eine sakrale Feierlichkeit zelebrieren, bestimmten geheimen Ritualen folgend, fast wie ein Hohepriester aus alten Zeiten.
Beim Betrachten der Zeichnungen drängten sich mir außerdem Gedanken an die beiden Projekte auf, die A.D. Trantenroth ein Jahr zuvor an der St. Wendeler "Straße der Skulpturen" erarbeitet hat. Das erste Projekt besteht aus drei "Umfeldveränderungen", die er in der St. Wendeler Innenstadt vorgenommen hat. Hierfür setzte er ebenfalls das schimmernde Material Tombak ein: er verkleidete die Stufen einer Treppe, die in eine Kneipe führt; er ließ eine kleine Platte in der Form einer Treppe in den Boden der Fußgängerzone ein; er verkleidete eine Regenrinne und ließ in deren Nähe eine kleine Spiralenplatte in die Pflasterung ein. Mit diesen kleinen Akzenten – die in Größe und Abstand zueinander in einem bestimmten Verhältnis stehen (wie die Arbeiten im Museum St. Wendel) und so konzeptuell miteinander verbunden sind – veränderte der Künstler das alltägliche Umfeld. Durch den Glanz des Materials verlieh er vorher unscheinbaren oder langweiligen städtischen Gegebenheiten (wie eine Treppe oder eine Regenrinne) eine beinahe sakrale Ausstrahlung. Spiralen (Zentrum, Unendlichkeit) und Treppen (Himmelsleiter) sind uralte Symbole, die in vielen Kulturen eine besondere Bedeutung hatten bzw. haben. Selbst in unserer nüchternen westeuropäischen Kultur sind es immer noch symbolträchtige Zeichen. Sowohl dieser "Mehrwert", als auch das bestimmte Zahlenverhältnis der "Maßigkeit" werden sicher von den meisten Fußgängern nicht bewusst wahrgenommen; wer aber auf der Suche ist, wird sich einer gewissen Wirkung nicht enziehen können.
Das zweite Projekt liegt etwas außerhalb der Stadt St. Wendel. Ausgangspunkt für diese Arbeit war ein großer Sandstein an einer Wegkreuzung. Vis-à-vis steht ein kleiner gelber Pfosten der Telekom, der – als Zeichen für die "alltägliche Welt" – in das Gesamtprojekt mit einbezogen wurde. A.D. Trantenroth hat, wie bei seinen Arbeiten in der Stadt, auch hier kleine Akzente gesetzt: einige Bohrlöcher, eine kleine, grün angestrichene, leere "Nische", die als "Negativ" mit dem gelben Telekom-Pfosten korrespondiert, Scharniere aus Tombak, die den Eindruck erwecken, man könnte den Stein aufklappen, um sein Geheimnis aufzuspüren. Ohne diese Scharniere kämen wir nicht auf die Idee, dass der weitgehend rohbelassene Stein ein Innenleben haben könnte. Die Bohrlöcher und die leere Nische (ähnlich solchen, die z.B. an der Hauswand für eine kleine Heiligenfigur gedacht sind), verstärken das Gefühl, dass das Wesentliche, das eigentlich Bedeutungsvolle, sich im übertragenen Sinne "unter der Oberfläche" abspielt. Aber nur, wer sich auf dieses Gefühl einlässt, wird die Zusammenhänge entdecken und kann erst dann – mit seiner Vorstellungskraft – dort hin gelangen.
Ich gehe deshalb so genau auf die St. Wendeler Arbeiten ein, weil im Grunde genommen auch den gezeichneten Objekten eine solche "Maßigkeit" unterliegt, wenn auch nicht ganz so streng. Das Wissen um die systematische, fast "formelhafte" Methode Trantenroths, die Welt nicht nur zu erfassen, sondern auch einzelne Teilstückchen dieser Welt hervorzuheben, damit Formverhältnisse klarer sichtbar werden, ist für den Betrachter eine wichtige Voraussetzung, um auch die Zeichnungen zu verstehen, ja, "erleben" zu können. Der Künstler "denkt" sich seine Konstruktionen zusammen, er ist gleichzeitig Spurenleger und Spurensucher. Für jeden Tag gibt es mindestens eine Zeichnung, über eine Zeitspanne von mehreren Jahrzehnten. Auf diese Weise ist eine der Zeit enthobene, eigenständige, "parallele" Welt entstanden. Es ist keine "evolutionäre" Entwicklung sichtbar – die Blätter sind zeitlos; A.D. Trantenroth datiert sie, bezeichnenderweise, rückwärts.
Hin und wieder lösen sich die Zeichnungen vom Papier. Manche "Ideenspiele" sind im Rahmen verschiedener Ausstellungsprojekte in die reale Welt – in bestimmte Ausstellungsräume – hineingetragen. So gab es z.B. ein Projekt mit drei Schublädchen, die nebeneinander direkt mit einem dünnen Stift auf einer Wand gezeichnet waren. Auf der Rückseite dieser Wand befanden sich ebenfalls drei gezeichnete Schublädchen (In der Galerie „Kunst in der hinteren Halle“, Hof/Saale, 1997), die jedoch vertikal angeordnet waren. Wäre diese Wand durchsichtig gewesen, hätte man feststellen können, dass die jeweils mittlere Schublade "deckungsgleich" war, sodass sie hätte hin und her geschoben werden können, wäre sie real und nicht "nur" aufgemalt. Dass es eine Zeichnung war, die man vor sich hatte, war erst aus der Nähe ersichtlich; von Weitem sahen die Linien fast aus wie Ritzen, weil der Bleistift auf der unebenen Wand eine "ausgefranzte" Spur gezogen hatte. Durch diese Illusion eines Schattens wurde – zumindest aus der Distanz –eine dreidimensionale Konstruktion suggeriert. Dieser Eindruck blieb, aufgrund existierender Wahrnehmungsgewohnheiten, auch in dem Moment bestehen, als man aus der Nähe feststellen konnte, dass die Schubladen gezeichnet waren. Die Tatsache, dass die Griffe aus realen, spiegelnden Messingknöpfchen bestanden, erhöhte diesen Eindruck noch.
Ähnliches passierte bei der auf einer mit Rauhfaser tapezierten Wand gezeichneten "Durchreiche" (In der Galerie "Brochier", Hartmut Beck, München, 1996). Die Maße dieser Durchreiche betrugen 40 x 80 cm. In der Mitte war dieses Rechteck geteilt, und neben diesem Teilstrich befanden sich links und rechts zwei Messingknöpfe, so, dass eine Illusion von zwei Türchen, je 40 x 40 cm groß, entstanden war. Am linken und rechten Rand des Rechteckes befanden sich Scharniere (sog. Klavierbänder). Um beim "Aufklappen" die Griffe der Türen nicht an der Wand anstoßen zu lassen, befanden sich dort an der Wand – also jeweils circa 40 cm links und rechts neben dem Rechteck – Gummipuffer. Deckungsgleich mit der Durchreiche befanden sich auf der Rückseite der Wand 16 gezeichnete Schublädchen, die ebenfalls jeweils mit einem Messingknopf als Griff ausgestattet waren. Hätte man die Durchreiche tatsächlich aufklappen können, würde man die Rückseiten der 16 Schübe sehen.
In der Nähe der Schublädchen stand eine kleine Fußbank. Darauf lag ein Paar gelbe Haushaltshandschuhe – ein Hinweis auf eine verborgene Geschichte. (Vielleicht, dass auch Kinder in die Schublädchen hineinschauen wollen?)
Auch die Projekte im Bereich "Kunst am Bau" leben von Widersprüchlichem: z.B. Schnüre, die durch Wände hindurch gezogen sind, von deren Verlauf man aber nur jeweils Ausschnitte sehen kann, je nachdem wo man sich im Gebäude befindet (Im Gebäude der Schmidt-Bank in Wunsiedel). Nur im Kopf des Betrachters entsteht ein vollständiges Bild, eine "dreidimensionale Geschichte". So wird ihm die Vorstellung vermittelt, dass das betreffende Gebäude nur durch diese Schnüre zusammengehalten wird. Auch hier ist man sich im gleichen Moment bewusst, dass sie diese Funktion keineswegs übernehmen. Weil eine scheinbare Täuschung selbst als Täuschung wahrgenommen wird, ist sie im Grunde keine mehr, obwohl die Idee der Täuschung im Kopf des Betrachters lebendig bleibt.
Sowohl in seinen realisierten Projekten und Installationen, als auch in den Zeichnungen befinden wir uns in der "parallelen", von Zahlen, Farb- und Materialgewichtungen und Maßverhältnissen bestimmten Welt Trantenroths. Diese Welt bleibt dem Betrachter bei einer pur rationalen Annäherung jedoch zum Teil verschlossen. Der Übergang zwischen dem konkret Möglichen und dem Zauber – zwischen Traum und Tat, zwischen Idee, Umsetzung und Illusion – ist fließend. Dies bedeutet, dass man sich auch mit Phantasie an die Zeichnungen heranwagen sollte. Erst wenn man beim Betrachten diese "Dimension" mit einbezieht, kann man "herumschauen" in Verwunderung, sich vielleicht hin und wieder ein wenig wie Alice im Wunderland fühlen. Dann wird klar: so muss es sein, und nicht anders.
Cornelieke Lagerwaard
aus: A. D. Trantenroth - Bestiftungen unter Zuckerpulversahnetee. Nürnberg 2001, S. 88-93
Biografie
1940 geboren in Bochum; abgeschlossene Lehre als Augenoptiker und als Keramiker
1964-68 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Uli Günther, Keramik und bei Prof. Herbert Baumann, Bildhauerei
1968-73 Freischaffender Bildhauer in Wunsiedel
1973-78 Freischaffender Bildhauer in Großgeschaidt, Heroldsberg
1979-80 Lehrtätigkeit an der Akademie der Bildenden Künste München
1979-85 Freischaffender Bildhauer in Bocholt, Stadtkünstler
seit 1985 Freischaffender Bildhauer im Fichtelgebirge, Weißenstadt
Internationale Bildhauersymposien, Stipendien
1968 Krastal, Kärnten, Österreich
1969 St. Margarethen, Burgenland, Österreich (K)
1971 Burlington, Vermont, USA (K)
Symposion Urbanum, Nürnberg (K)
1972/73 Arbeitsstipendium des Kulturkreises im BDI (Steinwerk Zeidler + Wimmel, Kirchheim)
1975 Förderpreis des Freistaates Bayern
1978 Kunstpreis Berlin (verliehen von der Akademie der Künste Berlin)
Kunstpreis der Stadt Bocholt (Berufung zum Stadtkünstler)
1979/80 1. Internationales Stahlsymposium "Stadt und Bildhauerei", Bochum
1981 Bildhauersymposium, Wedaupark, Duisburg
1988 Werkstipendium zur Realisierung eines bestimmten Projektes des Kunstfonds e.V. Bonn; Straße der Skulpturen, Tombakstücke in der Stadt St. Wendel
Ausstellungen
Einzelausstellungen
1968 Galerie Defet, Nürnberg (K)
1969 Galerie Langer, Braunschweig
Galerie Reckermann, Köln
Gropiushaus Rosenthal, Selb (K)
1973 Galerie Reckermann, Köln
1974 Museum Folkwang, Essen (K)
1975 Galerie Keller, Kempfenhausen/Starnberg
1977 "Konstellationen", Städtische Galerie im Lenbachhaus, München
(Lechner, Prager, Schuler, Trantenroth), (K)
Kunstverein Ingolstadt, Ingolstadt (K)
Kunstverein Unna, Unna
Städtisches Kunstmuseum Bonn, Bonn (K)
1978 Galerie Magers, Bonn
Galerie Edith Wahlandt, Schwäbisch Gmünd
Werkstatt Breitenbrunn, Neusiedler See, Burgenland, Österreich
1979 Forum Stadtpark, Graz (K)
1981 Kulturzentrum, Rathaus Bocholt (K)
Kunstverein Bochum, Haus Kemnade (K)
Galerie Jürgen Ahrens, Koblenz (K)
1988/89 Galerie Hartmut Beck, Erlangen, "Unpassigkeiten"
1990 Galerie Karin Sachs, München
Fichtelgebirgshalle Wunsiedel, "Kunst im Abseits", zwei Vor - Orte – Damen & Herrentoilette
1991/92 Galerie Hartmut Beck, Erlangen,
"Schleifpapier Stücke"
1993 Galerie Hartmut Beck, Erlangen,
"Hysterische Paradoxien ... und Zeichnungen"
1995 Städtische Galerie im Bürgerzentrum, Münchberg
1996 Galerie Broschier – Hartmut Beck, München,
"Zwei Räume eine Arbeit", Wandbestiftungen
(mit Ben Vautier, Yongo Zhao, Roland Fässer, Andreas Welzenbach, Charly Banana) Abschiedsausstellung der Galerie
1997 Kunst in der Hinteren Halle, Hof,
"Klappblokaden – Paradoxien", Wandbestiftungen
2001 IKKP, Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie, Archiv Eugen Gomringer
Kunsthaus Rehau, Zeichnungen
Zeichnungen, "Durchscheinige Versteckungen", Kunstmuseum Bayreuth
2002 Märkisches Museum Kulturforum, Witten
2003 Museum St. Wendel
Von der Heydt-Museum, Wuppertal
Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen
Städtische Galerie Erlangen
2004 Palais Stutterheim, Erlangen
Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt
2005 Galerie Goller, Selb
Kunsthaus der Stadt Bocholt
2007 Städtische Galerie im Bürgerzentrum, Münchberg
2010 Installation mit einem "48er blätterblock in 16 kreuzungsvarianten (konstellationen) zu je 3 farbigen stationen", Kunst Museum Bayreuth
2011 "Herzverlustigkeiten, A. D. Trantenroth - Zeichnung, Skulptur und Objektkunst", neues museum Staatliches Museum für Kunst und Design, Nürnberg
Ausstellungsbeteiligungen
1967 "Junge Stadt sieht junge Kunst", Wolfsburg, (K)
1968 Fünf Künstler aus dem Grenzland, Gropiushaus Rosenthal, Selb, (K)
Deutscher Künstlerbund, Nürnberg, (K)
1969 Kunstpreis der Jugend, Mannheim, (K)
Deutscher Künstlerbund, Hannover, (K)
Bochumer Künstlerbund, Jahresausstellung, (K)
1970 "10 deutsche Plastiker",
Shopping-Center Spreitenbach, Zürich, (K)
1971 "Künstler der Galerie", Galerie Defet, Nürnberg, (K)
Robert-Fleming-Museum, Burlington, USA
Bochumer Künstlerbund, (K)
Gelsenkirchener Kunstverein, (K)
1. Biennale für Skulptur, Budapest, (K)
1972 "Bildhauer von heute", Kunstverein Lindau
"Künstler und Kirche", Eichstätt, (K)
"Stadt und Skulptur", Marl, (K)
1973 Bochumer Künstlerbund, (K)
"Kunst und Architektur", TH Stuttgart
"Kunst in der Stadt", Leinfelden
"1000 Jahre Bamberg", Ausstellung
"Forum junger Kunst", Kunsthalle Recklinghausen, (K)
"Ars Viva ‘73", Kestner-Gesellschaft, Hannover, (K)
"Kunstpreis ‘73", Gelsenkirchen, (K)
"Visuelle Ordnungen", Deutscher Künstlerbund, Nationalgalerie Berlin, (K)
1974 "Poetry with material", Dublin-Oberhausen-Recklinghausen, (K)
"Ars Viva ‘73", Kunsthalle Nürnberg, (K)
Westdeutscher Künstlerbund, Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen, (K)
Fahnenfest Rottweil, (K)
Deutscher Künstlerbund, Mainz, (K)
1975 Deutscher Künstlerbund, Dortmund, (K)
Große Kunstausstellung, Neue Gruppe, Haus der Kunst, München, (K)
"Kunst zur Meditation", St. Sebald, Nürnberg, (K)
1976 "Sculpturen", Schloßpark Innsbruck
Große Kunstausstellung, Neue Gruppe, Haus der Kunst, München, (K)
1977 "Konstellationen", Städtische Galerie im Lenbachhaus, München
(Lechner, Prager, Schuler, Trantenroth), (K)
"Kunstübermittlungen",
Neuer Berliner Kunstverein, (K)
1978 "Artikulation des Raumes", Deutscher Künstlerbund, Nationalgalerie Berlin, (K)
"Begegnung auf der Schwelle",
Kulturpreis der Stadt Bocholt, (K)
1979 1. Bochumer Bildhauersymposium, (K)
1980 "Koffer für Rottweil", Rottweil, (K)
"10 Plastiker aus Deutschland 10 Jahre danach", Shopping-Center Spreitenbach, Zürich, (K)
Deutscher Künstlerbund Hannover,
Kestner Gesellschaft, (K)
1981 Märkisches Stipendium für bildende Kunst, Städtische Galerie Lüdenscheid, (K)
Galerie im Parktheater Iserlohn, (K)
1982 "96 Künstler aus Westfalen", Konrad von Soest-Preis, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, (K)
"32 Künstler aus Westfalen",
Museum Knokke, Belgien, (K)
"Junge Kunst in Deutschland", privat gefördert, Kölnischer Kunstverein, (K)
1983 Nationalgalerie Berlin, (K)
Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, (K)
"Sammler-Förderer-Freunde", Gustav Stein, Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg, (K)
"Dreidimensional – aktuelle Kunst aus der BRD", Kunsthalle Mannheim, (K)
1984 "Dreidimensional – aktuelle Kunst aus der BRD", Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg, (K)
"Dreidimensional – aktuelle Kunst aus der BRD", Nationalmuseum für Moderne Kunst, Tokyo, (K)
1985 "Ecken und Kanten", Städtische Galerie Lüdenscheid; Kunstverein Unna, (K)
1986 "Ecken und Kanten", Städtische Galerie Haus Sell;
Kunstverein Siegen; Städtisches Museum Mülheim/Ruhr, (K)
"Von zwei Quadraten", Wilhelm Hack zum Gedächtnis, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen/Rh., (K)
"Linien – Briefe – Notationen", Städtische Galerie Lüdenscheid; Galerie im Theater der Stadt Güthersloh
1987 "Linien – Briefe – Notationen", Rathaus Telgte, (K)
Bewerber für das Paris Stipendium, Museum für Völkerkunde, München
1988 "Straße der Skulpturen", Stadt- und Landstücke in St. Wendel, gefördert vom Kunstfonds e.V. als Werkstipendium
"Die Ecke", Ausstellung der Edition Hoffmann, Kantonales Kunstmuseum Sion, Vallis, Schweiz, (K)
"Die Ecke", Ausstellung der Edition Hoffmann, Kunstverein Ingolstadt, (K)
1989 "Straße der Skulpturen",
Teilnehmer im Museum Mia Münster, St. Wendel, (K)
"Künstler Knöpfe", Museen Lüdenscheid, (K)
1990 "Künstler Knöpfe", Messehallen Frankfurt, (K)
Meisterwerke internationaler Plastik des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg; präsentiert in Vilnius, Minsk, St. Petersburg, Kiew, (K)
"Poesie durch Material - Licht und Bewegung",
26 Objektkünstler aus der BRD, zusammengestellt 1973 / 74 von Thomas Grochowiak für das Institut
für Auslandsbeziehungen, nach 15 Reisejahren im Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl, (K)
"Kunst im Abseits", Fichtelgebirgshalle Wunsiedel
1991 Kunstfonds – zehn Jahre 1981-1991, Bonner Kunstverein
1994 Drei Bildhauer: Richard Long, Ulrich Rückriem, A. D. Trantenroth, aus der Sammlung Von der Heydt-Museum, Wuppertal
"Steinstab aus geöffneter Kiste", ein Raum – eine Bodenarbeit, Märkisches Museum, Witten
1995 Sammlungsauszug "Deutsche Plastik der Gegenwart", Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg
"Bildhauer 95 in Deutschland", Kunstverein Augsburg, Toskanische Säulenhalle, (K)
1996 Galerie Brochier – Hartmut Beck; Ben Vautier, Yongo Zhao, Roland Fässer, Andreas Welzenbach, Charly Banana, A. D. Trantenroth
2000 "Kunst ist Schön", 1960-2000 – 40 Jahre Kunstverein Ingolstadt, Exerzierhaus im Klenzepark, Ingolstadt, (K)
"10. Gmunder Symposium – Internationale Graphik III", Villa Toskana, Gmunden, Österreich
2006 "Potential der Linie in der Konkreten Kunst, Forum Konkrete Kunst, Erfurt
2007 "Kunst im BÜZ", Städtische Galerie im Bürgerzentrum, Münchberg
2010 "sehenswert! Skulptur in Witten", Stadtwerkehaus, Witten
"10 Jahre IKKP - 10 Jahre Kunsthaus Rehau", Rehau
"Bildhauer Zeichnen", Museum Schloss Fellenberg, Merzig
2010/11 "Erwerbung und Schenkung 1", Stadtmuseum Bochold
2011 "Erwerbung und Schenkung 2", Stadtmuseum Bochold
Kunstsammlung, Georg-August -Universität, Göttingen
Jubiläumsausstellung "Kunst in der Provinz", Fichtelgebirgshalle, Wunsiedel
Werke in Sammlungen
Kunst im öffentlichen Raum
Bibliografie
Eigene Schriften
Monografien
Sammelschriften
Eröffnungstexte
Hörfunkbeitrag
Quelle
Redaktion: Sandra Kraemer, Claudia Maas
letzte Änderung: Mittwoch, 30.11.2011